Vergleichbarkeit von Kreditangeboten nicht mehr möglich? – Erstaunliche Angaben bei Hypothekenzinsen – Wenn der Effektivzins niedriger ist als der Sollzins

Die neue Preisangabenverordnung, die Mitte Juni 2010 in Kraft getreten ist, enthält neue Vorschriften über die Angabe von Effektivzinssätzen in Kreditangeboten. Dadurch kommen in Einzelfällen erstaunliche Effektivzinssätze heraus. Das berichtet die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift „Finanztest“ (Ausgabe Oktober 2010). Die Neuregelung besagt, dass der Effektivzins jetzt nicht mehr für die Dauer der Zinsbindung sondern für die gesamte Kreditlaufzeit ausgewiesen werden muss. Es wird nicht mehr der anfängliche effektive Jahreszins ausgewiesen. Anstatt der ersten Zinsbindung von z.B. 10 Jahren muss der Effektivzins für die Laufzeit des Kredits von z.B. 36 Jahren (bei 1 % Tilgung) angegeben werden. Wenn aber die Zinsbindung nach 10 Jahren ausläuft, dann müssen für die Zinskonditionen in der Restlaufzeit Annahmen getroffen werden.

„Finanztest“ hat nun herausgefunden, dass einige Finanzinstitute („Spezialfall Sparkassen“) nach Auslaufen der Zinsbindungsfrist mit den am Markt erhältlichen variablen Zinssätzen weiterrechnen. Da der variable Zinssatz aktuell häufig unter dem Zinssatz für eine langfristige Zinsbindung liegt, „verbilligt“ sich das Darlehen in der Restlaufzeit. Auf diesem Weg kommt ein niedrigerer Effektivzins in dem Zinsangebot heraus als der eigentliche Sollzins. Die Werbung für einen Kredit sollte daher mit Vorsicht untersucht werden, wenn der Sollzins höher ist als der Effektivzins. Immerhin gehen in den eigentlichen Effektivzins noch Bankgebühren, Kosten, Provisionen usw. mit ein. Mit Stand vom 23. August 2010 veröffentlicht „Finanztest“ eine Tabelle, in der z.B. ein Angebot der Ostsee-Sparkasse enthalten ist, das einen Sollzins von 3,50 % für eine zehnjährige Zinsbindung ausweist. Der von der Sparkasse angegebene Effektivzins beläuft sich in diesem Beispiel auf 3,30 %, Finanztest hat ermittelt, dass der Effektivzins nach der alten Berechnung bei 3,56 % liegt. Das Angebot sieht also günstiger aus, als es tatsächlich ist. Den so handelnden Banken kann offensichtlich gar kein Vorwurf gemacht werden, weil sie sich genau an den Gesetzestext halten und die neue Preisangabenverordnung im Wortlaut 1:1 umsetzen. Die Verbraucherschützer kritisieren, dass die Vergleichbarkeit von Kreditangeboten auf diesem Weg nicht mehr gegeben ist. Je nach Annahme des Zinssatzes, der nach dem Auslaufen der ersten Zinsbindung anfallen kann/wird, fällt die Angabe des Effetivzinssatzes niedriger oder höher aus. Eine Korrektur der Preisangabenverordnung ist dringend geboten. Bis dahin: Vorsicht beim Vergleich der Effektivzinssätze in Kreditangeboten. Sie müssen sehr genau hinschauen.

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2 Kommentare

Eingeordnet unter Finanzierung, Immobilienrecht

2 Antworten zu “Vergleichbarkeit von Kreditangeboten nicht mehr möglich? – Erstaunliche Angaben bei Hypothekenzinsen – Wenn der Effektivzins niedriger ist als der Sollzins

  1. Mic

    Der effektive Jahreszins ist der Indikator für die Vergleichbarkeit von Krediten und wird bei jedem Kreditvergleich angegeben.

  2. brigi

    möchte gerne:
    aktuelle beiträge zu diesem thema ( april 2011 ) !
    danke dafür!
    Brigidh

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