Inflation bestimmt Verbrauchervertrauen in Europa

Was ist die Stimmungsbremse Nr. 1 für das Verbrauchervertrauen in Europa? Die Inflation. Das sagen die Marktforscher von GfK. Das beherrschende Thema in Europa ist derzeit die Inflation. Anziehende Verbraucherpreise sowie hohe Kosten für Benzin und Rohöl belasten das Portemonnaie der europäischen Verbraucher. Besonders davon betroffen ist Großbritannien. Dort stieg die Inflation von 3,3 Prozent im November letzten Jahres auf 4,4 Prozent im Februar 2011 – aktuell ist sie allerdings wieder leicht auf 4 Prozent abgefallen. Die Europäische Zentralbank hat zuletzt auf die wachsende Inflation reagiert und den Leitzins erstmals seit Beginn der Finanzkrise um 0,25 Basispunkte auf 1,25 Prozent erhöht.

Das zweite große Problem stellt die hohe Staatsverschuldung in den Ländern dar. Auf der einen Seite mussten vor allem die großen europäischen Länder hohe Summen in den Europäischen Rettungsfonds einzahlen, auf der anderen Seite haben alle nationalen Regierungen viel Geld zur Stabilisierung beziehungsweise Stimulierung der Wirtschaft zur Verfügung gestellt. Die höchste Staatsverschuldung in der EU hat derzeit Italien mit 118,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Konjunkturerwartung: Sparmaßnahmen zur Rezessionsbekämpfung in Großbritannien umstritten

In den betrachteten Ländern gehen lediglich die Deutschen und Österreicher davon aus, dass die Konjunktur auch weiterhin deutlich wachsen wird. Der Indikator zeigt in Österreich im März 38,2 Punkte, in Deutschland sogar 49,5 Punkte. Nach einem starken Anstieg der Konjunkturerwartung von Juni bis November 2010 um rund 60 Punkte, ist sie seit Dezember in Deutschland wieder um etwa 15 Punkte gefallen. Der Indikatorwert kann prinzipiell zwischen -100 und +100 Punkten schwanken.

In Spanien, Rumänien und Österreich konnte der Indikator an Wert zulegen. In der Tschechischen Republik und Bulgarien musste er hingegen deutliche Verluste hinnehmen. Rumänien scheint sich derzeit auf sehr niedrigem Niveau zu stabilisieren. Hier hat sich die Konjunkturerwartung seit Mitte letzten Jahres um rund 34 Indikatorpunkte verbessert und steht jetzt bei einem Wert von -37,3 Punkten.

Die Finanzkrise hatte in Großbritannien weitreichende Auswirkungen auf die Wirtschaft. Der private Konsum, der zu einem beträchtlichen Teil über Kredite finanziert wurde, hatte dort immer einen sehr hohen Anteil am Bruttoinlandsprodukt. Durch die Wirtschaftskrise konnten sowohl die Verbraucher als auch viele Unternehmen ihre Kredite nicht mehr bezahlen, was sich auf die gesamte Wirtschaft auswirkte: Die Immobilienpreise sanken drastisch, die Arbeitslosigkeit stieg dagegen stark an, viele Unternehmen mussten Konkurs anmelden. Nachdem die Konjunkturerwartung in Großbritannien Anfang 2009 mit -57,8 Punkten ihren Tiefststand erreicht hatte, erholte sich die Wirtschaft im weiteren Verlauf des Jahres. Im Februar 2010 erreichte der Indikator mit 31,4 Punkten seinen höchsten Wert seit Oktober 1997. Die britische Regierung versucht seit letztem Jahr ihr Haushaltsdefizit durch harte Sparprogramme vor allem im öffentlichen Sektor in den Griff zu bekommen. Die Bürger befürchten, durch diese Sparmaßnahmen in die nächste Rezession abzugleiten, bevor sich die Wirtschaft von der Finanzkrise erholt hat. Allerdings  sind die Briten in Bezug auf die richtige Politik zur Bekämpfung des Etatdefizits und der Staatsverschuldung tief gespalten. Die eine Seite erkennt die Notwendigkeit eines radikalen Sparkurses der Regierung, die andere Seite favorisiert eine eher keynesianisch ausgerichtete Politik, die die Wirtschaft durch öffentliche Gelder stimulieren möchte. Diese Diskussion über den richtigen Weg aus der Rezession zeigt sich auch in der Bewertung der Konjunkturentwicklung. Im vergangenen Jahr und noch einmal im ersten Quartal dieses Jahres ist die Konjunkturerwartung drastisch zurückgegangen und steht derzeit bei -29,9 Punkten.

Die Wirtschaft der Tschechischen Republik erholt sich langsam wieder von der Wirtschaftskrise. Daran hat vor allem der Automobilhersteller Skoda einen erheblichen Anteil. Er ist eines der Unternehmen, die die tschechische Wirtschaftsentwicklung maßgeblich beeinflussen. Skoda hat im ersten Quartal 2011 seinen Umsatz um 21,4 Prozent gesteigert. Dennoch ist die Stimmung bei den Verbrauchern insgesamt seit Jahresbeginn erheblich gesunken. Die derzeitige Regierung will erstmals die hohe Staatsverschuldung bekämpfen. Allerdings ist unklar, ob die Regierung ihre Reformen durchsetzen kann. Diese Unsicherheit schlägt sich auch auf die Beurteilung nieder, wie gut sich die tschechische Wirtschaft in den nächsten Monaten entwickeln wird. Zudem befürchten die Bürger, dass durch die geplanten Sparpläne und Steuererhöhungen die langsam wieder anziehende Konjunktur erneut geschwächt wird und die Arbeitslosigkeit weiter steigt. Die Konjunkturerwartung ist folglich seit Jahresbeginn eingebrochen. Hatte der Index im Januar noch einen Wert von 9,6 Punkten, ist er im März auf -29,6 Punkte abgestürzt. Auch ihre persönliche finanzielle Situation sehen die Tschechen durch die geplanten Reformen in Gefahr.

Preiserwartung: europaweit stark gestiegen

Die Preiserwartungen haben im März in allen betrachteten Ländern der Europäischen Union zugenommen. Einzige Ausnahme ist Bulgarien. Hier ist der Indikator nach einem kräftigen Anstieg seit Dezember letzten Jahres aktuell wieder leicht gesunken und steht im März bei 7,6 Punkten. Wesentliche Treiber für die Inflation sind derzeit höhere Rohstoff- und Energiepreise.

Einen besonders starken Anstieg haben Frankreich, Italien und Rumänien zu verzeichnen. In Frankreich sind die Preiserwartungen der Verbraucher im März um 12,4 Punkte auf aktuell 46,9 Punkte gestiegen. Das ist der höchste Wert seit rund 20 Jahren. Seit August 2009 stieg der Indikator dramatisch an. Damals verzeichnete er einen Wert von -32,3 Punkten. Die französischen Verbraucher befürchten seit der Wirtschafts- und Finanzkrise eine massive Abnahme ihrer Kaufkraft.

In Italien steht der Index derzeit bei -11,1 Punkten nach -22 Punkten im Februar. Wie auch in Frankreich erwarten die Italiener seit Mitte 2009 steigende Preise. Im Juli 2009 hatte der Index einen Wert von -60,8 Punkten. Obwohl die Preiserwartung nach wie vor einen relativ niedrigen Wert aufweist, sind die Italiener während der Finanz- und Wirtschaftskrise sehr viel preissensibler geworden. Im Dezember 2010 machte sich gut ein Drittel der Verbraucher Sorgen wegen der Inflation, drei Monate später sind es bereits 58 Prozent. Im Vergleich zu anderen Ländern ist die Inflation in Italien mit gegenwärtig 2 Prozent jedoch noch gemäßigt.

Bei derzeit 19,7 Punkten steht der Indikator in Rumänien. Mitte 2010 mussten die Rumänen eine Mehrwertsteuererhöhung um 5 Prozentpunkte verkraften. Während der entsprechenden Diskussionen stieg die Preiserwartung auf 14 Punkte im August an. In der Folge konnte sich der Indikator jedoch wieder beruhigen und sank bis zum Januar auf -15,3 Punkte ab. Aktuell befürchten die Rumänen weitere Steuer- und Abgabenerhöhungen, so dass die Preiserwartung im März um 29,7 Punkte zunimmt. Die rumänische Regierung steht nach wie vor unter starkem internationalem Druck, ihr Staatsdefizit zu reduzieren, da sie Finanzhilfen vom Internationalen Währungsfond, der Europäischen Zentralbank sowie der EU erhalten hat. Hinzu kommt eine Inflation von derzeit rund 6 Prozent.

Einkommenserwartung: Frankreich fürchtet um Kaufkraft

Die steigenden Inflationsängste der europäischen Verbraucher wirken sich auch auf die Einkommenserwartung aus. Der Indikator sinkt derzeit auf breiter Front. Einzig Rumänien macht hier mit einem minimalen Zuwachs eine Ausnahme, nachdem der Indikator im Juni 2010 mit -72,7 Punkten einen Negativrekord zu verzeichnen hatte. Um die Staatsfinanzen in den Griff zu bekommen, veranlasste die rumänische Regierung im vergangenen Jahr ein hartes Sparpaket mit Kürzungen bei den Sozialleistungen sowie Steuer- und Abgabenerhöhungen. Außerdem kürzte sie den Staatsbediensteten ihre Bezüge um 25 Prozent. Infolgedessen brach die Einkommenserwartung der Bürger ein. Seit Mitte des Jahres verursachte die vorsichtige Hoffnung auf ein baldiges Ende der Rezession einen kontinuierlichen Anstieg des Indikators. Aktuell stabilisiert er sich auf sehr niedrigem Niveau bei -31,3 Punkten. Im Februar erhielten die Staatsbediensteten eine Lohnerhöhung von 15 Prozent, die die Kürzungen aus dem Vorjahr zumindest teilweise kompensierte. Experten erwarten für die verbleibenden neun Monate dieses Jahres eine leichte wirtschaftliche Erholung.

In Deutschland stabilisiert sich die Einkommenserwartung auf sehr hohem Niveau. Aktuell erreicht sie 40,5 Punkte. Deutschland hat die Wirtschaftskrise erstaunlich gut verkraftet. Die Unternehmen mussten auch während der Rezession aufgrund der erweiterten Möglichkeiten zur Kurzarbeit und staatlichen Konjunkturprogrammen kaum Entlassungen vornehmen. So konnten sie im letzten Jahr sofort reagieren, als die Nachfrage weltweit wieder anzog. Aufgrund der hervorragenden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen mit kontinuierlich zurückgehender Arbeitslosigkeit, starkem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts und einer steigenden Nachfrage beim privaten Konsum rechnen die Deutschen in diesem Jahr mit spürbaren Gehaltserhöhungen, die zum Teil bereits realisiert wurden.

Frankreich verzeichnet mit -39,2 Punkten den schlechtesten Wert der betrachteten EU-Länder. Der Indikatorwert ist seit Januar 2010 um rund 30,6 Punkte gefallen. Frankreich hat die Wirtschaftskrise zwar mit weniger Blessuren überstanden als manch anderes europäisches Land. Dies ist aber zum Teil den enormen staatlichen Konjunkturprogrammen zu verdanken. Diese hatten zur Folge, dass die Neuverschuldung im Jahr 2010 auf 7,8 Prozent des Bruttoinlandprodukts gestiegen ist. In den Stabilitätskriterien für die Euro-Zone sind 3 Prozent erlaubt. Die Staatsverschuldung liegt inzwischen bei 84 Prozent des BIP, nach 68 Prozent im Jahr 2008. Für dieses Jahr hat es sich die französische Regierung zur Hauptaufgabe gemacht, die Neuverschuldung zu senken. Dementsprechend befürchten die Verbraucher weitere Steuer- und Abgabenerhöhungen, die sich direkt auf ihr verfügbares Einkommen und damit ihren Lebensstandard auswirken werden. Neben den Steuer- und Abgabenerhöhungen zur Sanierung der Staatsfinanzen stehen auch einige Privilegien auf dem Prüfstand. Bereits im letzten Jahr hob die Regierung unter heftigem Protest der Bevölkerung das Renteneintrittsalter von 60 auf 62 Jahre an. Zum Vergleich: In Deutschland liegt die Grenze bereits bei 67 Jahren. Auch die gesetzlich festgelegte 35-Stunden-Woche dürfte mittel- oder langfristig zur Disposition stehen.

Anschaffungsneigung: Spanier halten ihr Geld zusammen

Korrespondierend zur Einkommenserwartung sinkt auch die Anschaffungsneigung europaweit. Lediglich in der Tschechischen Republik, Österreich und Italien kann der Indikator aktuell an Wert zulegen. Rumänien hat sich von seinem Absturz im vergangenen Jahr leicht erholt und stabilisiert sich derzeit – allerdings auf sehr niedrigem Niveau. Der Indikator steht im März bei -35,1 Punkten. Die mit Abstand höchsten Werte weisen Österreich mit 30,9 Punkten sowie Deutschland mit 34,3 Punkten auf.

Entgegen den sonstigen Entwicklungen in der Tschechischen Republik steigt die Anschaffungsneigung im März um 7,8 Punkte auf -2,9 Punkte. Die Wirtschaftskrise kam bei den tschechischen Verbrauchern erst verspätet Ende 2009 an, war dann aber deutlich spürbar. Die Tschechen änderten ihr Einkaufsverhalten grundlegend – von einem eher von Spontanität und den aktuellen Bedürfnissen geleiteten Konsum hin zu wohl durchdachten Einkäufen. Die Qualität gewann gegenüber der Quantität deutlich an Bedeutung. Die Kaufzurückhaltung scheint seit Ende des vergangenen Jahres jedoch wieder abzunehmen. Die Anschaffungsneigung ist seit November um gut 17 Punkte angestiegen.

Die polnische Wirtschaft ist stark von der Binnennachfrage getrieben. Dadurch war sie auch während der Wirtschaftskrise nicht so stark betroffen wie andere europäische Länder, deren Wirtschaft stärker von der Exportentwicklung abhängig ist. Bereits Ende 2009 hat sich Polen spürbar von dem wirtschaftlichen Rückgang erholt. Dies zeigt ganz deutlich der Verlauf der Anschaffungsneigung. Ende 2008 fiel der Indikator von 23,1 Punkten im November bis auf -26,7 Punkte im April 2009. Seitdem jedoch ist die Anschaffungsneigung wieder kontinuierlich angestiegen und erreichte im Februar einen vorläufigen Höchststand von 25,5 Punkten. Aktuell musste der Indikator wieder Verluste hinnehmen und steht derzeit bei 16 Punkten. Die Wirtschaftsdaten des Landes sind jedoch gut. Das Staatsdefizit soll in diesem Jahr von 7,9 Prozent auf 5,8 Prozent und im nächsten Jahr auf etwa 4 Prozent fallen. Experten prognostizieren in diesem Jahr ein Wirtschaftswachstum von 4,1 Prozent. Der Rückgang bei der Anschaffungsneigung wird somit vermutlich nur kurzfristiger Natur sein.

In Spanien leidet die Wirtschaft seit der Finanzkrise und dem Platzen der Immobilienblase sehr. Das Hauptaugenmerk der Regierung liegt derzeit auf der Kontrolle der Staatsfinanzen. Im Zuge dessen wurden einerseits die öffentlichen Ausgaben drastisch reduziert, die Gehälter und Pensionen der Beamten sowie Sozialleistungen gekürzt. Auf der anderen Seite wurde beispielsweise die Mehrwertsteuer um 2 Prozentpunkte angehoben. Hinzu kommt eine hohe Arbeitslosigkeit ohne die Aussicht auf einen erheblichen Rückgang in diesem Jahr. Die Spanier wissen nicht, was in den nächsten Monaten auf sie zukommt. Dementsprechend versuchen sie, ihr Geld soweit wie möglich zusammen zu halten und nur die nötigsten Anschaffungen zu tätigen. Die Sparquote ist dementsprechend hoch und liegt derzeit bei etwa 16 Prozent. Dennoch konnte sich die Anschaffungsneigung in den vergangenen Monaten auf niedrigem Niveau erholen. Von Dezember 2010 bis Februar 2011 stieg der Indikator von -11,2 Punkten auf 37,5 Punkte an. Allerdings verunsichern die immer wiederkehrenden Diskussionen, ob Spanien doch noch die Finanzhilfen des EU-Rettungsschirms in Anspruch nehmen muss, die Verbraucher. Folglich fällt der Indikator im März wieder auf -10,7 Punkte ab.

Quelle: http://www.gfk.de

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